Das Evangelium der Plastikdeckel🙄
Es ist ein erhebendes Gefühl, Teil von etwas Ganzem zu sein. Jedes Mal, wenn ich mit einem widerspenstigen Papierstrohhalm kämpfe, der sich bereits nach drei Schlucken in eine traurige Zellulose-Masse verwandelt, spüre ich: Heute rette ich die Welt. Es ist die Ära der großen Opfer. Während ich den Kochtopf mit der Präzision eines Schweizer Uhrmachers abdecke, um auch das letzte Joule Energie zu bändigen, und mir beim Trinken der fest verschraubte Flaschendeckel liebevoll ins Auge sticht, weiß ich: Das ist er, der Fortschritt. Wir messen den Rauch aus dem Kamin, zählen die Kleidungsstücke im Schrank und optimieren unser Leben bis zur Unkenntlichkeit.
Der Plan ist simpel:
Wir: Deckel drauf, Strohhalm aus Pappe, zwei Hemden pro Jahrzehnt.
Die Konzerne: Business as usual, nur mit grünerem Logo.
Es hat fast etwas Poetisches, wie uns mit erhobenem Zeigefinger ökologische Bescheidenheit gepredigt wird, während im Hintergrund die große Kamine der Schwerindustrie munter die Melodie des Wachstums pfeifen. Wenn die „Großen“ Probleme haben, gibt es Krisengipfel und Subventionen; wenn wir den falschen Müllbeutel nehmen, gibt es einen Vortrag über Eigenverantwortung.
Vielleicht ist das die neue Definition von Balance: Wir balancieren den Deckel auf der Flasche, damit andere die Bilanz ausgleichen können.
Es ist schwer, den Blick für das Wesentliche zu behalten, wenn einem ständig ein Plastikdeckel im Gesicht hängt. Aber hey, zumindest der Topf ist zu. Die Welt mag brennen, aber wenigstens kocht das Nudelwasser effizient.
Gfladat bei Martina V Kainz