Eine kürzlich veröffentlichte französische Studie wird laufend zitiert, um Covid-Impfungen reinzuwaschen. Die Resultate klingen auch tatsächlich sensationell: Geimpfte hatten ein deutlich verringertes Risiko an Covid zu sterben. Und auch das Gesamt-Sterberisiko war bei Geimpften um 25% reduziert.
Ex-Gesundheitsminister Lauterbach war richtiggehend euphorisch über diese "große gute Studie mit Millionen Franzosen". Er postete auf X: "Wieder schlechte Nachricht für Quer"denker“, Impfgegner, Aluhüte, AfD, Putin-Bots. ...Keine erhöhte Sterblichkeit, kein Turbokrebs, etc."
Kay Klapproth, Immunologe aus Heidelberg hat sich in einem Beitrag von "achgut.com" nun intensiv mit dieser Studie befasst. (Link im 1. Kommentar) Und er kommt zu etwas professionelleren Schlüssen als Lauterbach & Co.
"Die Studie selbst zeigt zunächst nur eines: Zwischen den untersuchten geimpften und ungeimpften Personen besteht ein erheblicher Unterschied in der beobachteten Sterblichkeit", schreibt Klapproth. Daraus zu schließen, dass dies eine kausale Folge der Impfung wäre, sei jedoch ein kapitaler Irrtum.
Auffällig sei nämlich, dass die berichteten Reduktionen für die verschiedenen Todesursachen in einer ähnlichen Größenordnung liegen, überwiegend im Bereich von etwa 20 bis 30 Prozent. Diese Spanne zeigt sich bei Krebs ebenso wie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und allen anderen häufigen Todesursachen.
Gäbe es eine biologische Ursache, erklärt Klapproth, so gäbe es deutliche Unterschiede. Ein derartiges Phänomen sei hingegen
"typisch für einen gruppenbezogenen Selektionseffekt". Die Gruppe der Geimpften habe demnach ein geringeres Grundrisiko.
Dies zeige sich auch insofern, als der Effekt in den ersten Monaten der Impfkampagne besonders stark war, als sich viele gesunde risikoarme Menschen - etwa die im Schnitt relativ junge Gruppe der Gesundheitsberufler - impfen ließen. Als im Sommer 2021 in Frankreich ein Gesundheitspass eingeführt wird, der den Zugang zu öffentlichen Räumen, Verkehrsmitteln, Arbeitsplätzen und gesellschaftlicher Teilhabe an einen Impf- oder Genesenenstatus gekoppelt, ändert sich die Lage. Der Druck, sich impfen zu lassen stieg und erreichte damit auch den Durchschnitt der Bevölkerung. Nun zeigte sich, dass der Gesundheitsvorteil der Geimpften auf die Hälfte (10 bis 15 Prozent) abfiel. "Das ist bemerkenswert", schreibt Klapproth, "denn der Impfstoff selbst war vor und nach der Einführung des Health Pass ja derselbe."
Besonders aufschlussreich ist eine interne Kontrollgruppe. Die Autoren analysieren nämlich auch Todesursachen wie Verkehrsunfälle, Stürze oder Ertrinken – Ereignisse, die mit einer COVID-19-Impfung biologisch nicht in Zusammenhang stehen können. Und auch hier liegt die Mortalität der Geimpften in derselben Größenordnung wie bei krankheitsbedingten Todesursachen, nämlich um etwa 20 bis 30 Prozent unter dem Risiko der Ungeimpften. "Wenn der gleiche Mortalitätsvorteil bei biologisch unbeeinflussbaren Todesursachen auftritt, misst die Analyse keinen medizinischen Effekt, sondern Unterschiede im Risikoprofil der verglichenen Gruppen", erklärt Klapproth.
Dieser "Healthy Vaccinee Effect" ist seit langem bekannt. Wer obdachlos ist oder Heroin konsumiert, pfeift meist auf das freiwillige Impfangebot. Auch Personen, die isoliert, gesundheitlich oder psychisch angeschlagen sind, machen sich seltener auf den Weg zur Impfstraße. Ebenso Migranten aus niedrigerem sozialen Milieu. Diese Menschen haben jedoch insgesamt ein höheres Sterberisiko. Und dies lässt sich in reinen Datenanalysen nur schwer herausrechnen.
"Wissenschaft erfüllt ihre Aufgabe nicht dadurch, dass sie Hoffnung bestätigt, sondern dadurch, dass sie Unsicherheit sichtbar macht", schließt Klapproth seinen Artikel. "Wo diese Funktion verloren geht, wird aus Forschung Rechtfertigung und Wissenschaft, die uns auch unbequeme Wahrheiten offenbaren sollte, verkommt zum Legitimationsinstrument."