Sobald der Irankrieg zumindest ein wenig aus dem Fokus gerückt ist, Trump nicht die Apokalypse ankündigt und Israel gerade mal kein Massaker veranstaltet hat, gibt es nun wieder business as usual. Und das bedeutet: Russland Bashing.
Oft wird es so nebenher eingestreut, etwa im aktuellen Leitartikel der 'Zeit'. Da wird Trumps Ankündigung, er werde heute Nacht eine Zivilisation auslöschen, mit der täglichen Politik Russlands verglichen, in erster Linie die ukrainische Zivilbevölkerung anzugreifen.
Wenn man sich die Zahlen der UN für das Jahr 2025 ansieht, hätte sich Israel deutlich besser als schlechtes Beispiel geeignet. In der Ukraine gab es demnach rund 2.500 zivile Opfer, in Gaza und im Libanon hingegen rund 80.000.
Im Ö1 Morgenjournal wurde heute wieder Putin ins Visier genommen.
Und zwar an Hand des neuen Spielfilms "Der Magier im Kreml", der vom Rezensenten abgefeiert wird. Es geht im Film offenbar vor allem um Putins skrupellosen Kampf gegen ehrliche aufrechte Oligarchen, die sich für Frieden und Völkerverständnis einsetzen. "Mit dem Aufstieg Putins wurde das Böse Teil der Politik", erklärt der Regisseur.
Der Oligarch Boris Beresowski wird als Opfer des Systems dargestellt, "der im Zwist mit Putin unter mysteriösen Umständen starb". Im Film sagt Beresowski: "Putin ist das pure Produkt des KGB - die gefährlichste Spezies - er wird Russland in Ketten legen."
In der Realität wurde Beresowski in England, im von innen verriegelten Badezimmer des Hauses seiner Tochter erhängt aufgefunden. Ohne nachweisbare Spuren von Fremdeinwirkung. Beresowski war hoch verschuldet und tief depressiv. Er lebte isoliert, nahm Antidepressiva und sprach wiederholt von Suizid (z. B. sagte er am Tag vor seinem Tod in einem Forbes-Interview sinngemäß, er habe „nichts mehr, wofür sich zu leben lohnt“).
Hier jedoch wird Putin angeklagt.
Der Film funktioniere als "flottes Sittenbild" und "Geschichtsstunde", so die Einschätzung des Ö1-Redakteurs.
Beschäftigt man sich mit der realen Geschichte der Jahre nach dem Ende der UdSSR, so kann man Putins Aufstieg auch ganz anders sehen. Nämlich als Versuch, den Wahnsinn der Jelzin-Jahre zu kitten. Damals versank der "Wilde Osten" ins komplette Chaos. Jeder Oligarch kämpfte mit angeheuerten Banden skrupellos um die lukrativen Reste des Riesenreichs. Die Russenmafia war allgegenwärtig. Und westliche Konzerne waren die Abnehmer russischen Volksvermögens. Während der "befreiten" 90er Jahre verarmte die russische Bevölkerung noch mehr als im Endstadium des Kommunismus.
Am Höhepunkt dieser chaotischen Zeit war es den Oligarchen dann selbst zu viel. Alles war lebensgefährlich, die Wirtschaft am Boden, Gerichte und Behörden vollständig korrumpiert.
Putin besaß - als Geheimdienst Mann - gute Verbindungen und Autorität. Wichtige Politiker und Oligarchen fragten Putin ob er die Nachfolge Boris Jelzins übernimmt.
Und Putin zögerte lange. Er wusste, dass es für seine Familie und ihn selbst absolute Lebensgefahr bedeutet, in dieses Haifischbecken zu steigen.
Doch er tat es. Es dauerte einige Jahre, bis er fest im Sattel saß und nach und nach den Kampf gegen feindliche Oligarchen gewann. Er sorgte dafür, dass der massenhafte Ausverkauf russischen Eigentums ins Ausland gestoppt wurde. Oligarchen mussten wieder im Inland Steuern zahlen. Oder sie wurden vor Gericht gestellt. Einige flohen ins Ausland, so wie Beresowski. Andere kamen hinter Gitter.
Doch über die Jahre beruhigte sich der "Wilde Osten". Schießereien waren nicht mehr an der Tagesordnung. Das Einkommen der Menschen stieg. Russland erlebte einen erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung.