Die unter der Leitung von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy massiv umgekrempelte Behörde CDC gab gestern bekannt, dass der US-Impfkalender gründlich überarbeitet wurde und künftig nur noch Impfungen gegen 11 Krankheiten - statt zuvor 18 - generell für alle Kinder empfohlen sind. Das entspricht einer Reduktion von rund 55 Einzel-Impfungen pro Kind.
Nicht mehr generell empfohlen sind die Impfungen gegen COVID, Rotavirus, Meningokokken, Hepatitis A und B sowie Influenza.
Mit der Begründung, dass es „für Gesundheitsbehörden nicht immer möglich ist, eindeutig zu definieren, wer von einer Impfung profitiert, wer die entsprechenden Risikofaktoren aufweist oder wer einem Expositionsrisiko ausgesetzt ist“, werden diese Impfstoffe nun von den CDC nur noch "im Rahmen einer gemeinsamen klinischen Entscheidungsfindung zwischen Ärzten und Eltern" empfohlen.
Die CDC hat sich bei dieser Entscheidung speziell am dänischen Impfkalender orientiert, einem der schlanksten Impfpläne Europas.
Kernstück der Reform war die Abschaffung der allgemeinen Hepatitis B Impfung am ersten Lebenstag, die bereits im Dezember 2025 beschlossen wurde. Dies wird nun noch einmal ausgeweitet, indem diese Impfungen auch im Babyalter in Frage gestellt werden.
Da in den USA der Impfplan der CDC meist als Vorgabe für die zum Schulbesuch allgemein vorgeschriebenen Pflichtimpfungen genommen wird, ("No Vaccination - No School") ist es sehr wahrscheinlich, dass sich auch diese Liste um die genannten Impfungen reduziert.
Ob es überhaupt noch eine Impfpflicht in den USA geben wird, ist in Diskussion. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Lage in den USA hat nämlich ergeben, dass die USA in den letzten Jahrzehnten einen Sonderweg zu immer mehr Impfungen eingeschlagen haben, der - im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern - keine wirklichen Vorteile erbracht hat.
Im Gegenteil, der Anteil der chronisch kranken Kinder ist in den USA vergleichsweise deutlich höher. Spezielle Sorge macht den Behörden die nach wie vor enorme Zunahme bei Diagnosen aus dem Autismus-Spektrum.
Als wichtigen Grund für die Reformen nannten die Behördensprecher den massiven Absturz des Vertrauens in das öffentliche Gesundheitswesen der USA. Es sank zwischen 2020 und 2024 von 72 % auf 40 %, was laut CDC-Aussendung "mit dem Versagen des öffentlichen Gesundheitswesens während der Pandemie, einschließlich der COVID-19-Impfvorschriften, zusammenfiel."
Die behördlichen Empfehlungen wurden in der Praxis immer häufiger ignoriert.
Obwohl der COVID-19-Impfstoff für alle Kinder gemäß dem CDC-Impfplan empfohlen wurde, lag die Impfquote bis 2023 bei weniger als 10 %. Die Impfquote für andere Impfstoffe für Kinder sank im gleichen Zeitraum massiv ab.
„Das Gesundheitswesen funktioniert aber nur, wenn die Menschen ihm vertrauen“, sagte Marty Makary, der Leiter der Arzneimittelbehörde FDA.
In den letzten Jahrzehnten ist die Europäische Arzneimittelbehörde EMA jener der USA in den Empfehlungen und Neu-Zulassungen immer brav hinterher gehechelt. Mal sehen, ob das auch für die Reduktion der Impfempfehlungen gilt: In Österreich und Deutschland sind beispielsweise gleich mehrere Meningokokken Impfstoffe, die Hepatitis B Impfung sowie die Influenza-Impfung allgemein für alle Kinder empfohlen. Bei der HPV Impfung stehen - je nach Alter - noch zwei bis drei Dosen im Impfkalender. Die USA hat das nun auf eine Einzeldosis reduziert.
Nicht zu vergessen: Auch der deutlich reduzierte Impfkalender enthält noch immer enorme wissenschaftliche Lücken. Nur das wenigste ist tatsächlich auf Basis guter Studien - mit Placebo-kontrolle - abgesichert.
Die USA ist uns in Europa nun einen Schritt voraus, indem die ärgsten Pharma-Lobbyisten aus den Behörden und Beratungsgremien raus geschmissen wurden. Bei uns hingegen sitzen die Lobbyisten noch überall fest im Sattel. Angefangen bei Emer Cooke, der Direktorin der EMA, die ihr ganzes Berufsleben für die Industrie gearbeitet hat und 2020 installiert wurde, um die reibungslose Zulassung der Covid-Impfstoffe sicher zu stellen.