Das Gegenteil von Vorsätzen
2️⃣0️⃣2️⃣6️⃣
"Liebe Seele,
ich schreibe Dir am ersten Tag eines neuen Jahres – und ich werde Dir jetzt nicht sagen, dass 2026 "Dein Jahr" wird. Nicht, weil ich es Dir nicht wünsche, sondern weil ich diesen Satz nicht mehr hören kann.
"Neues Jahr, neues Ich." "Jetzt wird alles anders." "Endlich heilen."
Als ob Heilung ein Projekt wäre, das man am 1. Januar startet und am 31. Dezember abhakt. Nach über 30 Jahren Arbeit mit Menschen, die frühe Verletzungen tragen, weiß ich: So funktioniert das nicht.
Und ich glaube, Du weißt das auch.
Also, lass uns versuchen den Druck da rauszunehmen.
Ich habe letztes Jahr, also 2025, nochmal neu gelernt, dass unser Körper auch auf den Stress, den wir uns selbst durch unsere Erwartungen an uns, reagiert. Leider ist die Reaktion nicht positiv, sondern verstärkt die Symptome, die wir eh schon haben.
Was ich immer wieder beobachte:
Die Menschen, die wirklich weiterkommen, sind nicht die mit den ambitioniertesten Vorsätzen. Es sind die, die aufgehört haben, sich selbst zu überfordern. Die verstanden haben: Es geht nicht darum, schnell zu sein und möglichst viele Programm in möglichst kurzer Zeit zu machen oder möglichst schnell alles aufzudecken, nur um dann nicht zu schaffen, all das auch zu integrieren und zu merken, wie es Dir immer schlechter geht.
Es geht darum möglichst konsistent an kleinen und kleinsten Veränderungen dran zu bleiben und vor allem auch, an den schweren Tagen nicht komplett einzubrechen.
Heilung ist kein Sprint – es ist ein Ultramarathon.
Dein "Floor" für 2026
Es gibt ein Konzept, das ich Dir mitgeben möchte. Es heißt: Dein Floor.
Die meisten von uns planen für die Decke – für die Tage, an denen alles stimmt. Die Tage an denen wir Energie haben und Zeit und Motivation. Der ideale Tag sozusagen.
Aber wie oft haben wir solche Tage wirklich?
Dein Floor ist das Gegenteil: Das Minimum, das Du für Dich tust, wenn nichts stimmt. Wenn Du erschöpft bist. Wenn alte Muster hochkommen. Wenn Dein Körper sich anfühlt wie ein Feind.
Auf welchen Boden fällst Du, wenn alles dunkel ist.
Wenn wir es schaffen hier einen Boden zu etablieren, dann haben wir über das Jahr einen enormen Gewinn. Der Punkt ist, es darf nicht groß sein. Es darf keine Anstrengung kosten. Es darf nicht Zeitintensiv sein!
Was könnte es für Dich sein. Schreib dir 3 Dinge auf, die Du jeden Tag tun kannst. Dinge, die Dich kaum Zeit kosten und immer machbar sind. Häng Dir den Zettel an eine Stelle in der Wohnung, wo Du Ihn jeden Tag mehrmals siehst. Und selbst, wenn Du nur eine Kleinigkeit jeden oder fast jeden Tag machst, ist das ein Gewinn für Dich.
Ich kann Dir gar nicht sagen, wie hilfreich das ist und wie sehr Du davon auf Zeit profitieren wirst.
Nur Du kannst wissen, was Dir guttut. Hier sind aber ein paar Ideen für Dich:
Fünf Ideen für Deinen Floor:
1 Immer mal wieder, wenn Du von der Toilette kommst, atmest Du dreimal durch. Am besten seufzt Du einmal laut, wenn es die Umgebung hergibt. Sonst mache es auf der Toilette, wenn Du alleine bist.
2 Wenn Du nach draußen gehst oder aus dem Auto steigst, lege einmal die Hand auf Dein Herz und orientiere Dich in die Welt da draussen. Schau, wo Du bist, sieh den Himmel. Atme durch.
3 Wenn Du Zähne putzt, spüre Deine Füße auf dem Boden. Wippe ein bisschen vor und zurück, auf die Zehenspitzen und lass dich Dein Gewicht auf dem Boden spüren.
4 Versuch immer wieder spazieren zu gehen und die Welt anzuschauen. Fass die Bäume auf Deinem Weg an und schau in den Himmel. Dein Nervensystem liebt das.
5 Streck und reck Dich immer mal wieder, bewege Deinen Körper. Das nimmt Stress und tut gut.
Das klingt lächerlich klein, ich weiß.
Aber genau das ist der Punkt: Dein Floor muss so niedrig sein, dass Du Ihn aauch an Deinen schlimmsten Tagen erreichst.
Und hier ist das Geheimnis: Mit der Zeit steigt Dein Floor. Was heute Dein Minimum ist, wird irgendwann Dein Fundament.
Was ich Dir wirklich wünsche
Ich wünsche Dir kein "besseres Jahr". Ich wünsche Dir kein "geheiltes Ich".
Ich wünsche Dir das hier: